Leichtsinn - Suedseefauna2016

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Leichtsinn



Unverantwortlicher Leichtsinn oder: Wahre Horrorgeschichten!


Immer wieder hat mich die bodenlose Leichtsinnigkeit vieler Aquarienfreunde sehr erstaunt. So findet man etwa in sehr vielen Meerwasserbecken harmlos aussehende Krustenanemonen (Palythoa spp.). Dass manche dieser Arten etwa 16mal so giftig wie eine Kobra sind, scheint in der aquaristischen Szene niemanden zu stören... Mir ist der Bericht eines Aquarianers bekannt geworden, der Krustenanemonen im Aquarium ausdünnte. Danach ging es ihm mehrere Stunden schlecht, weil er eine kleine Schnittverletzung am Finger hatte, wodurch er offensichtlich Bekanntschaft mit dem Gift der Krustenanemonen machte... Von einem anderen weiß ich, dass er im Becken Krustenanemonen abschnitt, welche sofort gierig von einem teuren Doktorfisch gefressen wurden. Dieser zuckte nochmal kurz auf, dann verendete er nach dem Verzehr...
Noch andere Aquarianer meinen, dass man Rotfeuerfische (Pterois spp.) ruhig mit den Händen füttern kann und schwenken die Futterstinte an der Wasseroberfläche. Dass Rotfeuerfische die Giftstacheln ihrer Rückenflosse nicht nur passiv zur Feindabwehr, sondern auch aktiv zum Angriff einsetzen, scheint solchen Aquarienfreunden nicht bekannt zu sein. Im Ergebnis können sie dann nach der Fütterung ihrer Lieblinge das nächste Krankenhaus aufsuchen (wo es in der Regel keine Gegengifte gibt!) und haben dann für mindestens eine Woche viel Spass mit dick geschwollenen Fingern, Händen oder Armen (von der Kotzerei, dem Herzrasen und anderen Dingen einmal abgesehen...).
Ich finde es sehr erstaunlich, dass solche ultragiftigen Tiere problemlos gehandelt und gehalten werden dürfen; und das meist noch ohne entsprechende Hinweise. Ein Extrembeispiel dafür ist der hübsche Blauringeloktopus (Hapalolochaena maculata), der ein Neurotoxin besitzt, welches wie Curare wirkt. Wird man gebissen, unterbricht das Toxin die Nervenleitbahnen. Man kann sich dann nicht mehr bewegen, um Hilfe rufen oder atmen, da auch die Atemmuskulatur gelähmt wird. Man liegt dann bei vollem Bewusstsein da und denkt: "Ich will atmen!" Und es dauert dann noch ziemlich genau 4 Minuten, bis das Gehirn sich endlich abschaltet. Dann ist man in der Regel mausetot...
Abschließend möchte ich noch eine Anekdote des bekannten Unterwasserfotografen Otto Gremblewski-Strate zum Besten geben, die er mir persönlich erzählte: Otto hatte ein Faible für Nacktschnecken, und bei seinen Tauchgängen hatte er im laufe der Jahre schon unzählige Exemplare fotografiert. Nun hatte er an einer Riffkante ein unscheinbares graues Tierchen gefunden, welches er unbedingt fotografieren wollte. Aber: Die Nacktschnecke seilte sich bereits über die Kante nach unten ab. Da er ihr nicht 20 Meter in die Tiefe folgen wollte, setzte er sie mit bloßen Händen auf den Fels und machte ein Foto. Als er wieder auftauchte, bemerkte er seltsamen Schleim an seiner Hand, den er am anderen Handrücken abwischte. Plötzlich bekam er roten Ausschlag, und einige Tage später begann das Gewebe an seinem Handrücken abzusterben! Er bekam starke Antibiotika und so verschwand die Entzündung nach langen Wochen der Behandlung wieder. Er sagte mir, dass man zeitweilig schon fast die Knochen sehen konnte...  Und was lernen wir daraus? Fasse nie ein unbekanntes tropisches Tier an, denn selbst unscheinbar graue und farblose Tiere könnten ultragiftig sein!      

 
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